Kein Kredit an ältere Menschen

Der Bericht der von der Bundesregierung berufenen Expertenkommission „Altersdiskriminierung“ zeigt, dass ältere Menschen in vielen Bereichen diskriminiert werden, auch im Konsumsektor. Uns erreichen seit Jahren Berichte ältere Verbraucher, die keinen Kredit oder keine Versicherung erhalten oder schlechtere Konditionen angeboten bekommen. Einige Berichte dokumentieren wir hier:  „Mit 76 Jahren bin ich kreditunwürdig“

„Mein Mann und ich hatten die Gelegenheit, einen Gefrierschrank mit erheblichem Preisnachlass kaufen zu können. Also nutzten wir die günstige Gelegenheit, bei der bequeme Ratenzahlung – vorbehaltlich der Genehmigung durch die Partnerbank – angeboten wurde. Der freundliche Verkäufer füllte am Computer den Fragebogen der Partnerbank mit meinen Angaben aus: Rentnerin, 76 Jahre alt, Eigentumswohnung, Laufzeit des Kredits sieben Monate. Wir warteten alle drei – der Verkäufer, mein Mann und ich – auf das Prüfungsergebnis der Partnerbank. Und jetzt kommt der Hammer: Nur von 18 bis 72 Jahren bekommt man den Kredit. Ich gehöre mit meinen 76 Jahren nicht nur zum alten Eisen; ich bin Schrott – kreditunwürdig“.

Dieser Leserbrief einer Leserin wurde am 15. Juni 2005 im Hamburger Abendblatt veröffentlicht. Wir nahmen den Bericht zum Anlass für die Frage:

Haben Sie Ähnliches erlebt? Dann schreiben Sie uns!
Wir setzen uns gegen die Diskriminierung älterer Verbraucher bei Krediten und anderen Verträgen ein. Die Berichte zeigen, wie notwendig das am 1. August 2006 in Kraft getretene Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist. Es wird sich zeigen, ob es die geschilderten Diskriminierungen verhindern kann.

Hier die bisher gesammelten Berichte:

„Banken verweigern Rentnern Kredite“
So berichtet das Hamburger Abendblatt am 3. Februar 2010.

„Institute würden sich doch ins eigene Fleisch schneiden“
Unter dieser Überschrift berichtet die Westfälische Rundschau in einem Artikel von Walter Bau und Sven Frohwein am 24.11.2006 (Auszüge):

„Falls es solche Fälle gäbe, wäre es schön, wenn der Minister uns diese mitteilen würde“, sagt Kerstin Altendorf, Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken. Nach Erkenntnissen von NRW-Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg häufen sich die Fälle, bei denen ältere Menschen von ihrer Bank nur noch eine so genannte Kundenkarte ausgestellt bekommen. Damit können sie zwar an Geldautomaten des jeweiligen Instituts Geld abheben, nicht aber am Automaten einer anderen Bank oder Sparkasse. „Außerdem kann man die Kundenkarte nicht zur Bezahlung in Geschäften benutzen“, kritisierte Uhlenberg. Dies sei eine Diskriminierung höchsten Ausmaßes. Er werde bereits in Kürze Gespräche mit den Sparkassen und Banken aufnehmen, kündigte der Minister an. Zahlen, die seine Vorwürfe untermauern, nannte Uhlenberg allerdings nicht. Die konnte auch Ministeriumssprecher Markus Fliege auf Nachfrage der WR nicht nennen, verwies allerdings auf das in Köln ansässige Büro gegen Altersdiskriminierung. Doch auch hier Fehlanzeige: Hanne Schweitzer, Vorstandsmitglied des Vereins, will zwar von solchen Fällen gehört haben, kann aber auch keine genauen Zahlen nennen: „Wir wissen von Leuten, die in Rente gegangen sind und denen eine Verlängerung ihrer EC-Karte verweigert wurde.“ Das Problem sei, dass es keine einheitlichen Richtlinien für die Vergabe von EC-Karten gebe. „Das kann jede Bank für sich entscheiden.“ Außerdem sei das ein schambesetztes Thema. Nicht jeder wolle das unbedingt in die Öffentlichkeit tragen. EC-Karten-Verweigerung in Banken und Sparkassen? Ein Vorgang, der auch für die Verbraucherzentrale NRW neu ist. „Wir kennen keine Fälle“, erklärt Sprecher Theo Wolsing. „Die Kreditinstitute würden sich doch ins eigene Fleisch schneiden.“

„70 plus? Keine Haftpflichtversicherung!“
Ein Verbraucher berichtet uns am 11. Juli 2006 per E-Mail:

„Mein Vater, Jahrgang 1932, hatte kürzlich bei der CosmosDirekt einen Antrag auf eine Haftpflichtversicherung gestellt. Diese wurde ohne Nennung von Gründen abgelehnt. Auf meine fernmündliche Nachfrage wurde mir erklärt, dass die Versicherungsgesellschaft Kunden in Sachen Haftpflicht nur bis zur Vollendung des 70sten Lebensjahres versichern würde. Da ich diese Vorgehensweise als diskriminierend empfinde, möchte ich von Ihnen wissen, was man dagegen unternehmen kann und ob es Gesellschaften gibt, bei denen diese Altersbeschränkung nicht Bestandteil ist“.

„Sicherheiten schützen vor Diskriminierung nicht“
Eine Verbraucherin aus Schleswig-Holstein schreibt uns per E-Mail am 8. März 2006:

„Seit 1980 sind mein Ehemann und ich Kunden beim BHW. Im Juni 2005 beantragten wir einen Kredit über 10.000 Euro bei unserer BHW-Geschäftsstelle in … (Stadt in Schleswig-Holstein). Sicherheit: ein Haus mit 3 Wohneinheiten. Die Sachbearbeiterin machte auf mein Alter aufmerksam, da ich bereits 65 Jahre sei. Aber da ich erst im Februar 2005 Geburtstag hatte, ginge sie davon aus, dass der Antrag von Hameln genehmigt würde. Der Antrag wurde jedoch wegen des Alters abgelehnt. Zu alt. Wenn mein Ehemann nun jünger wäre – kein Problem. Leider ist er 8 Jahre älter.“

„Senioren als Investoren? Fehlanzeige!“
Ein Verbraucher aus Hamburg schickte uns am 4. März 2006 diese E-Mail:

„Ich habe, weil ich über 65 bin, nicht einmal eine Kreditkarte bekommen. Mein Haus ist unbelastet und voll renoviert, neues Dach etc. Und ich wollte für meine Rente 2 Apartments umbauen. Weder die Bank noch die Versicherung Allianz gab mir die Umbaukosten von nicht einmal 40.000 Euro. Die Mieteinahmen hätte fast 1.000 Euro betragen. Seitdem kann ich auch mein Konto nicht mehr überziehen, da ich eine so kleine Rente bekomme, laut Sparkasse“.

„Keine Restschuldversicherung für über 60-Jährige, also kein Kredit!“
Eine Verbraucherin aus Bayern schreibt uns am 17.06.2005:

„Ich bin über das Internet auf Ihren Aufruf gestolpert, weitere Fälle dieser Art zu melden. Allerdings handelt es sich hier um einen Fall aus Bayern. Meine Eltern – zum Zeitpunkt des Vorfalls 70 (w, Rentnerin) und 61 (m, noch beschäftigt bei …) Jahre alt – unterzeichneten 2004 einen Kaufvertrag über ein Wohnmobil. An diesen Kauf knüpfte die Firma die Bedingung, dass eine Risikoversicherung abgeschlossen werden müsste. Als die Unterlagen von der Prüfungsstelle (Bank) zurückkam, wurde diese Risikoversicherung abgelehnt mit der Begründung, dass mein Vater schon über 60 Jahre alt sei. Wenn meine Eltern nicht bereits eine andere Risikoversicherung in der Vergangenheit abgeschlossen hätten (zur Absicherung der Restschuld einer Immobilie, deren Ablaufzeit noch bis Mitte 2007 läuft), wäre der Kauf des Wagens nicht möglich gewesen. Dürfen Renter nur noch Autos mit Bargeld kaufen?“

„Auch bei holländischer Bank Fehlanzeige“
Ein Verbraucher aus Niedersachsen schreibt uns am 18.07.2005:

„Auf der Suche nach einem Kreditgeber im Rahmen einer Umschuldung bin ich trotz verhältnismäßig gutem Einkommen bei der Finansbank, Holland N.V, Niederlassung Deutschland auf folg. Hinweis bei der online-Beantragung gestoßen. Das Höchstalter für den 1. Kreditnehmenr beträgt 64 Jahre, ich bin bereits 65. In der vorangegangenen Kreditberechnung wird mir jedoch aufgrund des Einkommen und der sonstigen Vermögensverhältnisse ein mögliches Kreditvolumen von € 50.000,- angeboten. Unseriös, und diskriminierend…“

„Kredit von den Kindern statt vom Händler“
Eine Verbraucherin schreibt uns am 03.08.2005 per E-Mail: 

„Unseren Eltern bzw. Schwiegereltern ist dasselbe passiert. Sie wollten eine neue Waschmaschine kaufen und den zinslosen Ratenkredit, der dazu angeboten wurde, nutzen. Fehlanzeige! Mit 77 bzw. 76 Jahren waren sie zu alt, obwohl sie noch sehr rüstig sind. Jetzt haben wir die Maschine gekauft und den Ratenkredit übernommen und meine Eltern zahlen die Raten an uns zurück und haben zur Sicherheit ein Sparbuch bei uns hinterlegt. Das ist doch unwürdig für Menschen, die in ihrem Leben schon eine Menge erlebt und vor allem geleistet haben“.

„Mit 71 zu alt für Leasing“
Am 17.08.2005 schreibt uns eine Verbraucherin per E-Mail:

„Meine Mutter ist 71 Jahre alt und seit September 2000 nach dem Tode meines Vaters als Inhaberin des Familengeschäftes eingetragen. Dieses Gemischtwarengeschäft befindet sich seit 76 Jahren in unserer Familie. Ich führe das Geschäft mit einigen Mitarbeitern. Wir haben ein sehr reichhaltiges Angebot, aber nach Schließung der Postfiliale kamen immer mehr Anfragen nach Fotokopien. So haben wir uns entschlossen einen Fotokopierer aufzustellen und somit unseren Kunden zu helfen. Wir hatten auch bald ein passendes Angebot gefunden und wollten das Gerät leasen. Laut Inhaber des Büroservices dürfte das kein Problem sein. Wir bekamen die Unterlagen, haben diese direkt zur Leasinggesellschaft gefaxt und erhalten eine Absage mit der Begründung, es läge kein Schufa-Eintrag vor. Konnte ja auch nicht, weil unser Geschäft und unsere Familie nie einen Kredit in Anspruch genommen hat. Wir könnten aber eine Bankbürgschaft besorgen über den Betrag von € 3.600,00. Das hätte aber noch wieder Geld gekostet und so haben wir darauf verzichtet.
Der Inhaber des Büroservices hatte noch eine weitere Leasinggesellschaft in seinen Unterlagen, so haben wir unsere Unterlagen dort hingefaxt. 10 Minuten später rief er an und musste absagen, da diese Leasinggesellschaft den Vertrag aufgrund des Alters meiner Mutter abgelehnt hatte. Wortwörtlich hat ihm der Sachbearbeiter der Leasinggesellschaft gesagt: Mit 71 Jahren ist Ihre Kundin zu alt. Da kommt natürlich Freude auf, aber es gibt noch nette Menschen. Wir haben den Fotokopierer trotzdem bekommen und zahlen ihn jetzt monatlich ab, ohne Bankbürgschaft und ohne Schufa“.

„Italien: Kein Kredit 80-Jährige mit Küchenmesser überfällt Bank“
Am 01.11.2005 meldet die WELT mit Bezug auf die Nachrichtenagentur AFP:

 

„Eine 80 Jahre alte Frau hat am Montag in Genua versucht, mit einem Küchenmesser eine Bank auszurauben. Zuvor hatte das Finanzinstitut den Wunsch nach einem Kredit von 2000 oder 3000 Euro abgelehnt, weil die Frau zu alt sei, so die Nachrichtenagentur Ansa. Sie wollen mir nichts geben? fragte die Frau den Bankangestellten. Dann geben sie mir alles! rief sie und zog das Messer. Sie wurde festgenommen“.

„Über 70 nein danke! Als Rentner kann man mit Teilzahlungsangeboten Überraschungen erleben“
Unter dieser Überschrift veröffenltichte am 07.12.2005 die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) folgenden Artikel von Axel Schwarz:

„Beiseförth/Baunatal. Tagelang kein Strom wie kürzlich im Münsterland – kann das wohl auch hier passieren? Als Georg Richter die Nachrichten verfolgte und sich seine Gedanken machte, blieb sein Blick auf einem Werbeprospekt hängen: Einen Stromerzeuger für 299 Euro hatte die Baumarktkette Bahr im Angebot. So ein Gerät müsste man daheim stehen haben, dachte sich der Beiseförther: ‚Das ist wie eine kleine Versicherung.‘ Besonders lockten ihn die günstigen Bedingungen: Die Handelskette bot im Rahmen ihrer ‚Null-komma-nix-Wochen‘ an, man könne den Generator in zwölf niedrigen Monatsraten bezahlen – ohne einen Cent Finanzierungskosten extra. Kurz darauf stand Richter bei der Bahr-Filiale in Baunatal-Hertingshausen vor dem Tresen. ‚Die waren sehr, sehr nett‘, sagt er. Zwar sei kein Stromerzeuger vorrätig gewesen, doch man habe sich erfolgreich Mühe gemacht, ein Gerät aus einer anderen Filiale herbei zu ordern. Es sollte in wenigen Tagen eintreffen. Dann ging es ans Bezahlen. Null-Komma-Nix-Wochen? Sei auch kein Problem, erfuhr der Ruheständler. ‚Ich hätte das Gerät ja auch bar bezahlt‘, meinte Richter. Aber das Angebot klang so günstig. Er wurde in ein Büro gebeten, wo eine Mitarbeiterin am Computer einen Teilzahlungsantrag ausfüllte. ‚Ich musste meinen Personalausweis zeigen und meine Bankkarte‘, erzählte Richter. Dann die üblichen Fragen: Immobilienbesitz? Finanzielle Verhältnisse? Angehörige zu versorgen? Die nette Baumarkt-Angestellte tippte alles ein. Dann hieß es warten auf das Okay aus der Computerleitung. Eine ganze Weile wartete Georg Richter geduldig. Und noch eine Weile. So lange, dass es selbst der netten Dame allmählich unangenehm wurde. Doch nichts geschah. Die Mitarbeiterin machte einen Telefonanruf, um die Sache zu beschleunigen. Doch vorerst hieß es weiter warten. ‚Über eineinhalb Stunden hab‘ ich da gesessen‘, sagte Georg Richter später. Den Mitarbeitern des Baumarkts in Hertingshausen macht er dafür nicht den geringsten Vorwurf. Die hätten sich in jeder Hinsicht bemüht. Die Finanzierung laufe über eine Partnerbank, erfuhr Richter. Bei solchen Computeranfragen werden routinemäßig auch Einträge bei der Schufa überprüft. Das war dem Beiseförther zwar neu, aber auch nicht weiter wichtig: ‚Ich hab doch keine Schulden‘, sagt er im Brustton der Überzeugung. Dann – über zwei Stunden, nachdem Richter den Baumarkt betreten hatte – machte der Computer endlich Meldung: Finanzierung abgelehnt! Nichts zu machen. Eine Null-komma-nix-Entscheidung war das gerade nicht. Die Angestellte schaute näher hin und fragte offenbar verblüfft: ‚Wollen Sie wissen, warum Sie keine Finanzierung kriegen? Weil Sie über 70 sind.‘ ‚Die war ebenso überrascht wie ich‘, sagte der rüstige und vielseitig aktive 74-Jährige. Den Stromgenerator hätte Richter locker bar bezahlen können. Aber die Lust darauf ist ihm gründlich vergangen. ‚Was ist denn mit den vielen Politikern, die um die 70 sind?‘, fragt er. ‚Die kann man ja überhaupt nicht mehr wählen, wenn das so ist.'“

Stand vom Freitag, 7. Dezember 2012

Quelle.VBZ Hamburg

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