Grünes Mäntelchen mit grauem Anlage-Alibi zur ESG

ESG ist seit wenigen Jahren englisches Kürzel aus Environment Social Governance. Die Begriff ist international in der Finanzwelt und Unternehmen etabliert.

Viele Fonds wie Oppenheimer bauen die Rechtfertigung ihrer Anlageformen mit grünen ESG -Strukturen auf. Umwelt, Soziales und Unternehmensführung ist die deutsche Fassung des Gesamtbegriffs. Die Mehrheit der Anleger kennt ihn nicht oder will ihn intellektuell nicht verarbeiten. Finanzdienstleister umgarnen damit ihre oft nur vermeintlichen Ideen der kooperativen Anlageformen, denen auf diese Weise nichts Verwerfliches nachgesagt werden soll. Während die Non-Profit-Organisation (NPO) dem eigenen Ertrag abschwört, wird dies nach Vorgaben der ESG nicht vorangestellt. Anleger und Unternehmensbeteiligte sollen an ihren hehren Zielen verdienen.

Unter dem Schirm von ESG wollen Konzeptionäre ihre Anlageformen und Unternehmen ihre Ziele ausdrücken. Unternehmen sollen bei Firmenanalysen von Finanzdienstleistern ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte voranstellen. Die Art der Unternehmensführung soll beachtet bzw. bewertet werden. Viele Rating- und Research – Agenturen für Nachhaltigkeit arbeiten mit dem ESG -Ansatz. Investoren integrieren ESG -Kriterien in ihre Analysen von Wertpapieren. Dazu gehört auch eine UN-Initiative.

        Definition der individuellen Anlageformen

Mit der Überschrift von ESG sind nicht immer nachhaltige Geldanalgen verbunden. Für ESG zählen zentrale, für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen und Anlagen wichtige Kriterien. Es fehlen meist Hunderte von Aspekten, die viele strenge nachhaltige Konzepte verwenden. Der Managementansatz von ESG-Kriterien ist die Integration der langfristigen Performance für Anspruchsberechtigte. Danach gibt es keinen Widerspruch zwischen ESG-Integration und treuhänderischer Verantwortung. Darauf pocht die Studie der ESG Perception and Integration Practices aus dem Jahr 2010. Institutionelle Investoren wollen besser als früher das Konzept des verantwortlichen Investierens umsetzen. Diese streben zu 60 Prozent nachhaltige Anlagestrategien auf Basis von ESG-Kriterien an. Der Ausschluss von Titeln aus Risikogründen, um auf die Emittenten von Aktien oder Anleihen stärkeren Druck ausüben zu können, gehört dazu. Die Hälfte dieser Gruppe sieht darin eine potenzielle materielle Bedeutung.

Die konkrete Beachtung dieser Aspekte kommt nicht wirklich voran. Strategien des verantwortlichen Investierens sind zum Teil rückläufig. 12 Prozent der Institutionellen signalisieren, dass sie nicht planen diese zu nutzen. Wenige Großinvestoren haben in den letzten Jahren Anlagepolitiken für heikle Branchen entwickelt. Institutionelle sind weit davon entfernt, über sämtliche Anlageklassen hinweg verantwortlich zu investieren. Ansichten, Motive und Praktiken der Institutionellen bleiben als Hindernis für die Verbreitung eines koordinierten und effektiven verantwortlichen Investierens bestehen. Viele Unternehmen sind nicht zu bewegen mehr für nachhaltige Entwicklungen zu tun. Der grüne Mantel des ESG bleibt erhalten und unversehrt (Novethic, Paris 2013).

         ESG – Integration in der Praxis

„ESG -Integration“ bedeutet, dass konventionelle Kapitalanleger Umwelt-, Sozial-, und Governance-Aspekte (ESG) bei der Wertpapieranalyse beachten. Das schließt Anlageentscheidungen und Portfoliomanagement ein. Viele Institutionelle verstehen unter ESG-Integration den Ausschluss kritischer Sektoren. 56 Prozent der relevanten Anlagegruppen sehen den Ausschluss einzelner Titel aufgrund hoher Risiken oder ethischer Aspekte. Aufgrund der Chance, mit der ESG-Integration Risiken besser zu managen, setzen institutionelle Investoren dieses Konzept des verantwortlichen Investierens um. Die Nachfrage nach derartigen Anlagen steigt. Ein Versorgungswerk und Asset-Manager zeigen dies auf (Aachener Stiftung Kathy Beys, IHK Nürnberg 2015).

Diese Form des Konzepts für Kapitalanlagen wurde in den ersten Jahren als Nischenprodukt betrachtet. Am Anfang wurde unterstellt, dass Unternehmen geringere Renditen erzielen, wenn sie Aktien oder Rentenpapiere eines Genres ausschließen und sich nicht aus dem Gesamtuniversum bedienen. Dieses Vorurteil wurde nach einiger Zeit widerlegt. Weltweit werden 22 Billionen US Dollar nach ESG- Kriterien angelegt und verwaltet. Das entspricht einem Drittel aller Kapitalmarktinvestition in der Welt. Natürlich haben positive Erträge mitgewirkt. Institutionelle haben sich nicht ohne Überzeugung verpflichtet nachhaltiger zu investieren. Eigene restriktive Regelwerke wurden aufgesetzt (Der Trend wird zu einer Tugend; private banking magazin 01-2018).

Eine Gegenüberstellung der institutionellen Anleger weist nur Kreditinstitute als diejenigen aus, die Kriterien der Nachhaltigkeit in der Mehrheit nicht berücksichtigen. Die untergeordnete Rolle wurde noch beseitigt, obwohl es mittlerweile Standarderkenntnis ist, dass Nachhaltigkeit den Shareholder Value steigern kann. Anleger sind eher verunsichert als Institute, wenn nachhaltige Investitionen vorgestellt werden. Kreditinstitute müssen dies berücksichtigen. Ihnen fehlen heute eher die Kunden als spezielle Investitionsangebote. Künstliche Intelligenz versucht dieser Kontroverse gerecht zu werden und nachhaltige Anlageformen von einem Mäntelchen willfähriger Leistungen zu umgeben. Nach Bedarf wird die Nachhaltigkeit herausgestellt oder gedeckelt. Der reine Ertragsgedanke bleibt wichtig und wird gern mit dem Alibi ökologischer Vorgaben gekoppelt.

Gespaltene Interessen sind bei Investoren im privaten und institutionellen Bereich zu beachten. Gern wird im Außenverhältnis dargestellt, welche Umweltpolitik bei aktuellen Kapitalanlagen beachtet wird. Beim Hinterfragen ist der einschränkende Hinweis zu hören, dass Initiativen im nachhaltigen und sozialen Bereich verfolgt werden, aber die Renditen Priorität genießen. Die Konsequenzen sind primär Investitionen in konventionell bekannte Ertragspositionen. Andere Anlageformen verlangen von Beratern und Investoren aktive und passive Aufklärungsarbeit

         Fazit

Probleme zur Anlagepolitik entstehen bei Privatanlegern, die in Fonds investieren und Nachhaltigkeit nicht vertiefen wollen. Diese Vorstellungen vermitteln sie Instituten. Der Begriff ESG bleibt in diesem Kundenbereich unterbelichtet. Derartige Anlageformen sollen von den „Großen“ getätigt werden, die nach Meinung der Privatanleger die Verpflichtung dazu haben. Für eigene Anlageformen soll das vermeintliche Risiko ausgeklammert bleiben. Die Auffassungen zu Grün und Grau vermischen sich mit der Vorgabe – but not in my Backyard. Privatanleger haben beim Lernen noch Verpflichtungen zu erfüllen. Nachhaltigkeit kann den Shareholder Value steigern (vgl. von der Lancken, Christoph; Versorgungswerk der Zahnärzte; S-H.).

 

A-18.02-6

ESG

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