Gamesfunds der BVT nach Liquidation

BVT hatte vor Jahren die Interessen von Anlegern an Investitionen in Gamesfunds ausgenutzt. Diese werden über die BVT Games Fund IV Dynamic KG mit unterschiedlichen Ergebnissen liquidiert.

Wie die meisten Gamesfunds wurde auch die im Untertitel genannte Kommanditgesellschaft,  nachfolgend BVT GF IV, geschlossen.  Dies erfolgte am 30.06.2009 mit einem Fondsvolumen von EUR 47,3 Mio. Die erste Game-Produktion „Terminator Salvation“ hatte die Erwartungen verfehlt:

Bis 2013 wurden USD 5,0 Mio. des Games-Budgets in der internationalen Auswertung erzielt. In 2013 wurde ein Schiedsverfahrens in Los Angeles beantragt, um wegen der Mindesterlöszusagen des Distributors Warner Bros. eine Klärung herbeizuführen. BVT GF IV konnte in dem Verfahren nicht den Beweis erbringen, dass die Lieferung der vertraglich geschuldeten Sprachversionen erfolgt ist. Die Geschäftsführung hat nach rechtlicher Beratung wegen der Kostenrisiken von einer Durchsetzung weiterer Ansprüche Abstand genommen. Die Verwertungsrechte sind abgelaufen. Gegenüber dem Distributor Warner Bros. bestehen keine Ansprüche mehr. Forderungen gegenüber dem Entwickler Halcyon aus dem Insolvenzverfahren (Chapter11) wurden im Rahmen eines Vergleiches mit USD 2,5 Mio. abgegolten.

1.  Finanzierung der Gamesfunds Kommanditgesellschaft

Die Finanzierung von Herausbringungskosten zweier Spiele in 2009 für den Publisher SouthPeak gegen Stellung von Sicherheiten hat in 2014 zu keinen Rückflüssen an den Fonds geführt. Nachdem das deutsche Abschlussurteil des OLG München durch ein amerikanisches Gericht anerkannt worden war, wurden in 2013 Kontopfändungen veranlasst und mehrere Manager gerichtlich vorgeladen. Da die Zahlungsfähigkeit des Schuldners zweifelhaft war, wurden die Darlehensforderung und Zinsen von der Gesellschaft in den Vorjahren zu 100 % wertberichtigt.

Eine Weiterverfolgung der noch ausstehenden Beträge wurde aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Forderungen wurden inklusive Wertberichtigung im Berichtsjahr ergebnisneutral ausgebucht. Mit anderen Produktionen, die bereits Ende 2011 veröffentlicht wurden, konnten keine nennenswerten Erlöse erzielt werden. Dennoch haben diese Projekte ihre Einstandskosten zu 70 % (EUR 1,77 Mio.) eingespielt. 2014 wurden die meisten Spiele zum Buchwert ausgebucht.

2. Als Gamesfunds realisierte Projekte

Die BVT-Gruppe hatte die angebundenen Games-Projekte mit dem Schwesterfonds BVT Games Fund V Dynamic GmbH & Co. KG (nachfolgend BVT GF V) finanziert. Ein weiteres Spiel wurde  im August 2011 unterzeichnet. Für das Game “Sleeping Dogs“, wurde ein Partnership-Agreement mit aktuellen Games-Konsolen wie Xbox 360 und Sony PS 3 sowie PC entwickelt. „Sleeping Dogs“ wurde planmäßig im August 2012 fertiggestellt und international vertrieben. Der mit einem sehr hohen Marketingaufwand sowie guten Kritiken und Ratings begleitete Verkaufsstart verlief erfolgreich:

„Sleeping Dogs“ erreichte wie in Großbritannien eine Vielzahl von Platzierungen an erster Stelle in den Verkaufscharts. Nach drei Monaten konnte die vertragliche Minimumgarantie (50 % der anteiligen Produktionskosten) vereinnahmt werden. In der Folgeauswertung blieb „Sleeping Dogs“ hinter den Erwartungen zurück:

Bis zum Ende der vertraglich vereinbarten Auswertungszeit am 31.03.2015 wurden weltweit über 3,6 Mio. Exemplare an den Handel geliefert. Insgesamt sind BVT GF IV für “Sleeping Dogs“ Erlöse über umgerechnet EUR 7,2 Mio. (GBP 5,9 Mio.) zugeflossen. Bei einem Investitionsbetrag in Höhe von umgerechnet EUR 6,0 Mio. (GBP 5,0 Mio.) hat das Spiel damit inklusive der Währungsgewinne rund 120 %, bezogen auf das ursprüngliche Games-Budget, eingespielt.

Square Enix hat sich gegenüber dem Fonds zu einer Mindesterlöszahlung in Höhe von 50 % seines Investitionsbetrages zum 31.03.2015 verpflichtet, welche mit den tatsächlichen Rückflüssen verrechnet wurde. Der internationale Verkaufsstart von „Sleeping Dogs Definitive Edition“ erfolgte planmäßig im Oktober 2014. Bis Ende März 2017 (Ende des Auswertungszeitraums) wurde der Titel weltweit mit rund 1,4 Mio. Exemplare an den Handel geliefert.

Insgesamt sind BVT GF IV für „Sleeping Dogs Definitive Edition“ Erlöse über umgerechnet EUR 1,9 Mio. (GBP 1,4 Mio.) zugeflossen. Damit hat das Spiel inklusive der Währungsgewinne rund 344 %, bezogen auf das ursprüngliche Games-Budget, eingespielt. Mit der Reinvestition bei „Sleeping Dogs Definitive Edition“ hat BVT GF IV insgesamt eine Diversifizierung über fünf Spiele für insgesamt 17 Plattformen (1x Nintendo Wii, 4x PC, 4x Xbox 360, 4x Sony PS3, 2x Xbox One, 2x Sony PS4) erreicht. Im September 2015 erfolgte eine Buch- und Belegprüfung (sog. „Audit“) über die Rechnungslegung von „Sleeping Dogs“ bei dem Kooperationspartner Square Enix. Die Prüfung führte zu keinen nennenswerten Beanstandungen der Abrechnungen.

3. Rechtliche Führung der Gamesfunds und Schließung

Gemäß Gesellschaftsvertrag endet die Dauer der Fondsgesellschaft mit Ablauf des 4. Kalenderjahres nach Fondsschließung und kann durch Beschluss des Komplementärs insgesamt um bis zu ein Jahr verlängert werden. Die Schließung der Fondsgesellschaft fand am 30.06.2009 statt. Die Geschäftsführung hat gemäß § 13 Ziffer 1 Gesellschaftsvertrag in 2013 beschlossen, die Laufzeit um ein Jahr bis zum 31.12.2014 zu verlängern. Da der Gesellschaftsvertrag keine weitere Verlängerungsmöglichkeit der Fondslaufzeit vorsieht, befand sich BVT GF IV seit 01.01.2015 in Liquidation. Das Hauptziel für den gesellschaftsvertraglichen Liquidator, die bisherige Geschäftsführung, bestand darin, dass auch in der Liquidationsphase ein Mehrwert für die Anleger des BVT GF IV entsteht.

Um den Ergebnisbeitrag für die Anleger zu erhöhen, hat der Liquidator beschlossen, zunächst in 2015 und 2016 auf 50 % der ihm zustehenden Vergütung zu verzichten. Für das Geschäftsjahr 2017 hat der Liquidator beschlossen, zunächst auf die ihm zustehende Vergütung vollständig zu verzichten. Auf Basis der Investitions- und Liquiditätsplanung von BVT GF IV erfolgte am 15.07.2016 die achte Ausschüttung in Höhe von 2 %, bezogen auf das Kommanditkapital. Im Geschäftsjahr 2017 erfolgten keine weiteren Ausschüttungen.

Mit acht Ausschüttungen wurden mit der sechsprozentigen Frühzeichnervergütung bis 31.12.2016 insgesamt etwa 25,2 Mio. an die Gesellschafter ausgezahlt. Kumulativ haben die Gesellschafter – ohne Frühzeichnervergütung – zum Jahresende 2017 damit 51,5 % der Kommanditeinlage durch Ausschüttungen zurück erhalten. Die Zahlungsströme stellten sich bei Betrachtungen zum Ende des Geschäftsjahrs 2017 wie folgt dar:

Das eingesetzte Kapital wurde auch unter Berücksichtigung von steuerlichen Verlustzuweisungen nicht vollständig erwirtschaftet. Im Rahmen der vorgezogenen Schlussausschüttung werden im März 2018 zum Abschluss 1 % an die Gesellschafter des BVT GF V ausgezahlt, womit sich aus der Beteiligung Gesamtausschüttungen über 52,5 %, bezogen auf die Kommanditeinlage, ergeben. Das Hauptziel des Liquidators, auch in der Liquidationsphase einen Mehrwert für die Anleger des BVT GF IV zu erzielen, wurde damit erreicht:

Im Zeitraum ab dem 01.01.2015 konnten Ausschüttungen über insgesamt 12 %, bezogen auf die Kommanditeinlage, erfolgen. Unter Berücksichtigung von Steuereffekten werden sich für einen Musterinvestor mit 42 % Steuersatz inkl. SolZ über die gesamte Laufzeit voraussichtlich Gesamtrückflüsse (Ausschüttungen und Steuererstattungen) von insgesamt zirka 75,5 % bis 76 %, bezogen auf die Kommanditeinlage, ergeben.

4. Fazit

Die vorgenannten Beispiele zeigen, dass spektakuläre Angebote wie „Games“ zu spektakulärem Verhalten namentlich bedeutender Partner führen können. Für Banken muss erkennbar sein, dass an Gamesfunds Interessierte die Prospekte vor Zeichnung der Beteiligungen gelesen haben. Anleger sollten sich von einem Anwalt ihrer Wahl beraten lassen. Das Gesamtergebnis der Gamesfunds der BVT lässt sich aus den o. b. Elementen darstellen. Die Liquidation der BVT Games Fund IV Dynamic KG ist mit der Schlussausschüttung von 1 % der Nominalbeteiligung abgeschlossen.

 

2018-02-14

RedakteurM

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