Schuldscheine für Unternehmen und Investoren

Schuldscheine sind mit Eigenschaften von Kapitalmarktprodukten und Krediten ausgestattet. Gilt der Kapitalmarktstandard des Unternehmens oder sein Darlehensstandard als Maßstab?

Die Mehrheit deutscher Anleger kennt die Konzeption der Schuldscheine nicht. Dennoch sind Schuldscheine bei Unternehmen und Investoren beliebt. Neben dem wachsenden Anteil deutscher Investoren fragen verstärkt ausländische Unternehmen und Investoren nach Möglichkeiten der Geschäftsaufnahme. Private deutsche Investoren fühlen sich in diesem Markt noch nicht sicher. Die von Bankinstituten angebotenen niedrigen Zinssätze können bei größeren Beträgen negativ sein. Schuldscheine stellen eine Alternative dar.  Die Kommunikation unter Einbeziehung der zugehörigen Vertragsdokumente bietet oft Anlass, „typische“ Schuldscheinklauseln und maßgebliche Konzepte des deutschen Rechts erklären zu müssen. Der Denkprozess von Investoren wird durch die deutlich höheren Zinssätze angetrieben.

Anwendungen für Schuldscheine

Andererseits gibt es Situationen in denen Menschen über finanzielle Sorgen und Probleme klagen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass im privaten Bereich Geld verliehen oder geliehen wird. Den meisten Menschen kann es peinlich sein, Verwandte, Freunde nach Geld zu fragen. Situationen können entstehen, in denen Personen Lösungen fehlen, wenn unvorhergesehene Investitionen getätigt werden müssen oder Nachzahlungen auf die Mietnebenkosten das Budget überschreiten. Wer kurzfristig Geld braucht, überwindet sich doch und klopft bei vertrauten Menschen an. Der Weg zur Bank, wo auf sie neben den Rückzahlungen auch noch hohe Zinsen warten, ist der letzte Schritt.

Wer Geld leiht oder verleiht, greift damit meist auf die Konzeption der Schuldscheine zurück. Wer geliehene Beträge ordnungsgemäß zurückzahlen will und kann, wird keine Probleme haben, Schuldscheine zu unterschreiben. In diesem sind die Daten festgehalten. Die Beteiligten bestätigen diese mit ihrer Unterschrift. Schuldscheine können selbst erstellt werden. Die Dokumente müssen in Papierform existieren. Schuldscheine müssen keine bestimmte Form haben. Alle wichtigen Daten sollten enthalten sein. Dazu gehören Name und Anschrift des Schuldners, dessen Geburtsdatum und Geburtsort, ergänzt durch die Personalausweisnummer. Mehr als diese Punkte sind bei Erstellung nicht zu beachten. Ein Blick in Paragraf 781 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kann wegen der dort dokumentierten Vorschriften sinnvoll sein.

Was macht „typische“ Schuldscheine mit organisierten Darlehensvergaben und die damit verbundenen Klauseln aus? Ein Darlehensvertrag ist nach deutschem Recht zu vereinbaren. Da Schuldscheine nach deutschem Recht der Hergabe von Darlehen entsprechen, sind die Regelungen des BGB zum Darlehensrecht maßgeblich. Schuldscheine sind Produkte „zwischen den Welten“ des Kapitalmarkts und der Kredite. Die Regelungen sind oft unbekannt. Damit sind Schuldscheine weder dem weißen noch dem schwarzen Markt zuzuordnen. Das definiert nicht eine fehlende Seriosität oder Undurchschaubarkeit. Bei Vertiefung der Problematik folgen Verhandlungsthemen, die sich auf die Frage fokussieren, welcher Maßstab für Schuldscheine gilt.

Beiderseitiges Geschäftsmodell für Schuldscheine

Die Konzeptionen Verhandlungsmöglichkeiten, die so weit gefasst sind, dass Partner Geschäftsmöglichkeiten verspielen können. Unternehmen erhoffen für sich die Möglichkeit Darlehen mit unkonventionellen Bedingungen und vor bestimmbarer Endfälligkeit zu erhalten. Investoren erwarten Konditionen die mit Zins und Bedingungen von den starren Konventionen der Bankinstitute abweichen. Bedrängnisse dieser beiden Positionen können dazu führen, dass Geschäfte und damit die Vereinbarung über die Hergabe von Darlehen nicht zustande kommen.

Der in Verhandlungen entstehende heterogene Investorenkreis greift Besonderheiten der Darlehen über Schuldscheine auf. Das erklärt sich aus dessen typischem Investorenkreis. Bei den meisten Investoren in Schuldscheine handelt es sich um regulierte, institutionelle Investoren, wie Banken, Sparkassen, Versicherungen und Pensionskassen. Privatanleger sind seit Kurzem in diesen Markt eingetreten. Dazu müssen sie Verknüpfungen mit anderen kleineren Investoren eingehen. Sie vergeben gemeinsam Konsortialkredite oder Syndizierte Kredite. Als Gruppe von Kreditgebern nehmen sie eine oder mehrere Geschäfts- oder Investmentbanken in Anspruch. Diese agieren als Lead Arranger. In Verbindung damit strukturieren, organisieren und verwalten diese Institute.

Der Konsortialkreditmarkt für syndizierte Kredite ist der dominierende Weg für Unternehmen in den USA und Europa. Dieser Weg eröffnet die Möglichkeiten syndizierte Kredite von Banken und anderen institutionellen Finanzkapitalgebern als Hintergrund der Schuldscheine zu erhalten. Der US-Markt entstand mit großen syndizierten Krediten vor etwa 30 Jahren. Europas Markt blühte in diesem Bereich mit der Einführung des Euro im Jahr 1999 auf.

Jeder Konzeption für Schuldscheine ist der „Aufrechnungsverzicht“ bekannt, den ein Darlehen aufnehmendes Unternehmen gegenüber investierenden Versicherungen erklären muss. Wird dieser Aufrechnungsverzicht nicht erklärt, dürfen Versicherungen ihr Investment in Schuldscheine nicht tätigen. Weniger bekannt ist, dass diese Klausel durch die typischen syndizierten Darlehensverträge beeinflusst wird. Dadurch entstehen für Unternehmen und Investoren neue Fragen. Auf Bankenseite spielt die Thematik der Refinanzierung  eine Schlüsselrolle. Eine ganze Reihe von Regelungen dient der Möglichkeit, die Forderungen aus den Positionen zur Refinanzierung bei der Bundesbank oder Europäischen Zentralbank (EZB) einzusetzen.

Fazit

Der im Vergleich zu syndizierten Darlehen heterogene Investorenkreis macht es erforderlich die Investorengruppen untereinander auszutarieren. Dabei können mit unterschiedlichen Anforderungen individuelle Standards entstehen. Die typischen Schuldscheinklauseln zum Thema „erhöhte Kosten“ finden sich nicht bei Anleihen. Sie würden im syndizierten Kredit keine Akzeptanz finden. Hier gilt wie für andere Finanzierungen: Wer „zu gut“ verhandelt, verliert am Ende. Kann ein Unternehmen mit den ihm gestellten Klauseln nicht auf Dauer leben, kann dies zu Restrukturierung und zu Verlusten für alle Investoren führen. Auf der anderen Seite verlieren Unternehmen oft Zeit und „Goodwill“ bei Investoren, wenn der Vertragsentwurf zu viele legitime und marktübliche Investorenwünsche missachtet. Die Folge sind langwierige Verhandlungen, an deren Ende der Deal für das Unternehmen schlechter ausfallen oder scheitern kann.

 

A-18.03-7

Schuldscheine

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