Paydirekt arbeitet indirekt mit grauen Strukturen

Das Online-Bezahlverfahren soll von Paydirekt mit seinen 1700 Online-Shops noch gerettet werden. Schaffen die deutschen Banken das trotz dessen schwacher Bilanz bei der Durchdringung?

Für den Bezahldienst Paydirekt können Zahlen sprechen. Banken haben mit Zahlen zu tun, wird erzählt. Paydirekt kennt seine 1,8 Millionen Nutzer. Die erhofften sieben Millionen Kunden sind in der Wunschliste für 2017. Diese Zahlenspielereien sind vom Graumarkt bekannt. Nun haben sich auch große deutsche Banken darauf eingelassen. Dieses Ziel wurde verfehlt. Andere Zahlen hält Paydirekt zurück – wie die tatsächliche Zahl der Nutzer. Tatsächlich aktiv sind sicher nicht alle. Umsätze mit Paydirekt sind über das Bezahlsystem bei den einzelnen Händlern ausweisbar. Das Schweigen dazu könnte ein Zeichen sein, dass diese Kennziffern nicht optimal darzustellen sind?

Paydirekt hat deutschen Banken kein Erfolg gebracht. Dazu sind neutrale Betrachtungen sinnvoll. Es gibt mehrere Indikatoren neben den Kennzahlen. Auskünfte sind zurückhaltend. Es steht an Lehrgeld zu zahlen (vgl. Fahrenschon, G.; früher Präsident des Deutschem Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Der Kreditwirtschaft darf kein zweites Problem entstehen (vgl. Jerzembek, L.; aus Geschäftsleitung des Verbands öffentlicher Banken). Großspurige Ansagen sind passé. Demut ist angesagt.

Maßnahmen

Personalwechsel zeigen an, dass Unzufriedenheit in mehreren Bereichen entstanden sein kann. Die Führung des Bezahldiensts wurde mit Christian von Hammel-Bonten neu besetzt. Analog haben die Sparkassen ihren Paydirekt-Verantwortlichen ausgetauscht. Für Frank Schwab kam Henning vorm Walde. Schwab hatte die Schwierigkeiten des Bezahlsystems nicht gesehen. Er arbeitete für die Deutsche Bank, McKinsey und eine Tochtergesellschaft der Fidor Bank. Wie freiwillig die Ablösung war, ist nicht sicher darstellbar. Schwab wird sich auf eigenen Wunsch neuen Herausforderungen stellen. Henning vorm Walde fing Anfang 2018 bei der GIZ an. Das spricht sehr für einen geplanten, geordneten Übergang.

Das Führungspersonal hat Schwierigkeiten. Mit neuem Personal könnten die eigenen Ansprüche real eingefangen werden. Die Zahl von 1,8 Millionen registrierten Nutzern ist beachtlich. Eigene Ansprüche vernebeln diese Erfolge. Das Ziel von 7 Millionen Nutzern zum Jahresende 2017 wurde mit dem Wunsch ergänzt im Jahr 2020 mit Paypal auf Augenhöhe zu sein. Das würde mehr als 20 Millionen Registrierungen entsprechen. Größenwahnsinn von drei Großbanken! Hilfsweise können solche Ideen als ambitioniert bezeichnet werden. Das Neukundenwachstum ist zurückgegangen. In dieser Marktphase wäre zu erwarten, dass die Nutzerzahlen explodieren, weil sich Netzwerkeffekte zeigen.

Finanzfragen

Die hervorgehobenen 1700 Online-Shops führten bisher nicht zu dem erwarteten Erfolg. Das Weihnachtsgeschäft blieb durchwachsen. Das Shoppingportal „Rakuten“ bewirkt, dass bei weiteren 7000 Läden bezahlt werden kann. Wenige Shops wie Otto sind mit von der Partie.

Dieses Ergebnis lässt sich mit anderen Online-Bezahlverfahren vergleichen. Die Mitbewerber waren gleichzeitig deutlich weiter. Paydirekt erscheint für die Händler zu teuer. Wenn die Käufer mit einer Kreditkarte zahlen, werden für den Händler 0,3 Prozent des Einkaufs fällig. Die Kosten für Lastschriften liegen darunter. Paypal verlangt 1,5 Prozent plus 35 Cent je Transaktion. Die Gebühren des Konkurrenten schwanken zwischen 1 und 1,6 Prozent. Hinzu kommen Transaktionsgebühren von etwa 35 Cent. Händler fragen sich, weshalb sie Paydirekt anbieten sollen, wenn die Pro-Argumente spärlich gesät sind?

Banken versuchen, diese Schwierigkeiten mit Geld „zuzuschütten“. Dazu sollen zunächst  300 Millionen Euro ausgegeben werden, um zum Erfolg zu kommen. Zehn Million Euro gab Paydirekt aus, um bei Otto als Bezahlmethode gelistet zu werden. Ein Betrag von etwa einer Million Euro soll geflossen sein, um den viertgrößten deutschen Online-Händler für sich zu gewinnen. Mit so viel Geld erweckt ein Unternehmen Zweifel an seiner eigenen Überzeugung. Es geht die Sage, dass mit einem eigenen Online-Shop mit Hilfe von Paydirekt der Weg zum Millionär geebnet sei. In der Branche ist bekannt, in welchem Umfang der Anspruch vorgetragen werden muss, um eine Paydirekt-Implementierung zu erhalten. Es wird schwieriger, Händler zu normalen Konditionen zu ködern.

Fazit

Für die Händler wäre es wird sicher, wenn die Hochpreisstrategie geändert würde. Die Gebühren erscheinen vielen Händlern zu hoch. Da jede Bank Marketing oder Vertrieb selbst übernimmt, kann keine Marktmacht ausgespielt werden. Die etwa 100 Mitarbeiter haben gegen die über 18.000 Mitarbeiter von Paypal wenige Chancen. Zukunftsthemen wie das mobile Bezahlen werden bei Paydirekt nur langsam angegangen.

 

A-18.04-4      Paydirekt

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