Das Desaster der Container nach einiger Zeit

Anleger haben weltweit Milliarden in Container investiert. Sie bangen um ihre Direktanlage. Kreative Geldanlagen beinhalten Chancen. Das lehrt die Erkenntnis über graue Risiken.

Es gibt über Jahre erfolgreiche Anlagekonzepte, die ebenso lange hinter vorgehaltener Hand verbreitet werden. Die Märkte besonderer Anlageformen verstärken mit Stetigkeit die Vermutung, dass dort Investierende mehr Erfolg haben als andere mit konventionellen Ideen. Direktinvestitionen in Container, die auf See und an Land Waren schützen und transportieren, sind mit Empfindungen objektiver Sicherheit ausgestattet. Was soll Negatives passieren?

Zum zweiten Mal erweisen sich dennoch Container als Anlage, die Unheil aufzeigt. Hoffnungswerte haben mehr als 70 000 Investoren verführt. Sie bangen um ihr Geld. Als Vorgänger waren die Anbieter Magellan Maritime mit der Insolvenz negativ in Erscheinung getreten. Nun sind mehrere Gesellschaften des Marktführers P&R gefolgt und haben ein Insolvenzverfahren beantragt. Mit den Investoren traf es keine abgebrühten Reeder oder Seefracht-Spekulanten. Familien und Rentner haben mit selbst empfundener Cleverness angestrebt ihre Vermögenspositionen zu optimieren. Ein Anwalt vertritt mittlerweile mehr als 3000 potentiell Geschädigte. Als Beispiel sei ein typisches „Anlegeropfer“ angeführt, das als  Ehepaar im Alter von etwa 80 Jahren seine Ersparnisse dort investiert habe. Sie wollten mit größeren Gewinnen als am Kapitalmarkt bekannt diese nach Ablauf der Verträge den Enkeln zur Verfügung stellen.

Wie bei der insolventen Investmentbank Lehman Brothers lagen in den Depots unbedarfter älterer Damen Zertifikate eines vermeintlich ehrenwerten Instituts. Nicht irgendwelche Anlagehaie haben die genannten Seecontainer als Investments mit Solidität vertrieben. Mitarbeiter von regionalen Instituten wie Volksbanken und Sparkassen haben sich eingesetzt, um vermeintlich optimale Kapitalanlagen zu platzieren.

Laut Medienberichten hat P&R, bisher Anbieter von Anlagen in Schiffscontainern, Insolvenz beantragt. Anleger versuchen den erwarteten Schaden, der ihres Erachtens durch Direktkontakte zu Vermittlern entstanden ist, ausgleichen zu lassen. Unabhängig von der zu erwartenden langen Klagezeit sind die Angriffsziele vorgegeben.

Vieles an den Vorgängen ist ungeklärt. Es ist zu prüfen, ob das Unternehmen im Schneeball-verfahren gearbeitet hat. Es wird spekuliert, dass die Geldanlage in Container zur Vermietung an Containergesellschaften oder Reedereien getroffen werden sollte. Dafür wird dem Anleger Miete überwiesen. Nach Ablauf der vereinbarten Frist sollte das Unternehmen den Container zurückkaufen. Anleger sollten nicht nur vom florierenden Welthandel und dem Einsatz von Containern der Seeschifffahrt profitieren. Steuerliche Vorteile sollten am Ertrag mitwirken.

Wenn das Unternehmen bei Erkennen der wirtschaftlichen Probleme die Mietzahlungen für die Container nicht mehr durch die Weitervermietung der Container gedeckt hat, sondern dazu die Einlagen neuer Anleger verwandt hat, ist das Schneeballsystem definiert. Wie es gelaufen ist, wird später zu entscheiden sein. Das Ergebnis war nicht gut. Als Grundsatz sollte für jede Anlageform der Schutz für die Investoren stehen.

Hinzu kommt bei den Anlegern die Frage nach der Selbstverantwortung. Was will ihnen der Staat zumuten? Wenn in Deutschland für diesen Bereich Aufsichten existieren, sollten Schneeballsysteme (falls die Container-Investments ein solches waren) zuverlässig identifiziert werden (vgl. Siedenbiedel, Ch.; FAZ 2018-04).

Viele Anlegeranwälte sammeln Adressmaterial, um betroffenen Investoren zu empfehlen gemeinsam vorzugehen. Die Forderungen könnten höhere Durchsetzungskraft gewinnen. Sammelklagen gibt es in Deutschland nicht. Vermittler wären im Fokus von Schadensersatzbegehren. Sollten Anleger vorher gewarnt und gleichartige Produkte verboten werden (vgl. Pfisterer-Junkert, A.; Info Handelsblatt)?

In Deutschland werden verschiedene Teile der Geldanlagebranche unterschiedlich stark reguliert. Die Aufsicht verfügt über verschiedene Kontrollmöglichkeiten. Anwälten von potentiell Geschädigten im Container-Fall sind der Meinung, dass die Ausweitung der Regulierung in einem anderen Teil der Finanzbranche einen Grund dafür darstellte, dass in den weniger regulierten Teil der sogenannten Direktinvestments viel Kapital geflossen ist.

Seit fünf Jahren sind geschlossene Fonds stärker reguliert. Hintergrund waren Schiff-Fonds, die zur Steueroptimierung eingesetzt worden waren. Nach deren Insolvenz wurden die Anforderungen hochgesetzt. Nach 2013 trat eine Lähmung auf dem Markt für geschlossene Fonds ein. Fonds wurden kaum neu aufgelegt. Im Gegenzug floss Kapital in Direktinvestments wie in Container. Damals soll der Marktführer P&R das Volumen von einer Milliarde Euro überschritten haben. Zeitschriften über Geldanlagen empfahlen Anlegern die Umstände und Kosten der Regulierung für geschlossene Fonds zu umschiffen. Dazu sollten sie zu Anbietern von Direktinvestments gehen. Diese waren allerdings noch riskanter.

Jeder Fall hat mehrere Facetten. Auch für Container-Investments wurde die Regulierung mittlerweile verschärft. Seit Januar 2017 müssen die Anbieter Prospekte vorlegen und bei der Aufsicht einreichen. Bei P&R solle es sich noch um Altfälle handeln. Dies ist aus den Prospekten nicht einfach zu erkennen. Die Risiken sind für Laien nicht leicht herauszulesen. Anwälte stellten fest, dass die operative Einheit der P&R-Gruppe ihren Sitz in der Schweiz habe. Die dortigen geringeren Publizitätspflichten sorgten nicht zwingend für mehr Transparenz. Allen Anlegern ist bei vergleichbaren Anlageformen zu raten, sich nie völlig auf die Berater in der Bankfiliale und die Aufsicht zu verlassen. Jeder sollte selbst mit Vorsicht walten. Trotz aller plakativ positiven Hinweise sind solche Kapitalanlagen undurchsichtig und wenig liquide.

 

A18.04-2

Container

2018-04-05

Kommentar hinterlassen