Nutzen und Schaden mit Wirtschaftsethik am Markt

Die meisten CEOS von Unternehmen scheitern an einer Definition der Wirtschaftsethik.  Betriebswirtschaft, Philosophie und Metaphysik nehmen interdisziplinären Einfluss.

Ausgangspunkt ist meist die Bewertung einer ethisch riskanten Geschäftsführung, die zum finanziellen Großrisiko zu unterschiedlichen Lasten werden kann. Vom Diesel-Skandal bis zum Facebook-Skandal: Nötig ist eine realistische Ethik, die Anreize bedenkt!

Wie kann es realistische Wirtschaftsethik geben? Es gibt unrealistische Sichtweisen auf die oft mit Moral verwechselte Wirtschaftsethik: Die einen unterschätzen die Kraft der Ethik, die anderen überschätzen diese und unterschätzen ökonomische Faktoren und Anreize. Beispiele gibt es viele im Wirtschaftsleben.

Praktische Ansätze

Abgasmanipulationen mehrerer Autokonzerne sind bekannt. Fern der Ethik sind die mit Akribie „aufgezeigten“ Lösungsmöglichkeiten mit Umprogrammieren der Software in den jeweiligen Kraftfahrzeugen – von den Herstellern propagiert. Die Änderungen der Hardware sind gemäß Erkenntnissen der Wissenschaft als “Unfug“ propagiert, kosten an die € 9.000 pro Fahrzeug. Reputation und Marke können so geschädigt werden, dass Unternehmen zerbrechen (vgl. „Arthur Andersen“ und heute „Cambridge Analytica“). Letztere haben über ihre Organisatoren neue Gesellschaften mit dem gleichen Aufgabenbereich „eingespielt“. Hohe Strafzahlungen (vgl. VW oder einst Siemens) machen Verhalten jenseits der Ethik für Großkonzerne im Nachhinein nicht attraktiv. Aus ethischen und ökonomischen Gründen sollten analog Programme und Managementsysteme mit Integrität als Frühwarneinrichtungen eingerichtet werden, um diese Art von Problemen zu erkennen und zu vermeiden.

Elektrofahrzeuge sollen für die Umwelt die ideale Form der Fortbewegung darstellen. Die Grundlagen der Ethik sollen auf diese Weise geschaffen werden. Es gibt Charaktere, die ohne Kenntnisse der Philosophie glauben, dass sie Ethik in ihrem Sinne gestalten können. Der Einsatz von Elektromotoren in Kraftfahrzeugen ist nicht zwingend umweltfreundlich. Die Herstellung einer Batterie steht mit den eingesetzten Rohstoffen für eine Fahrleistung von 250.000 km in einem mit Kraftstoff betriebenen Fahrzeug (vgl. Müller, T.; 2018-05-15).

Wenn 25% der Benutzer von Kraftfahrzeugen mit Elektromotoren betriebene Fortbewegungsmittel besitzen und ihre Batterien laden wollen, wird das europäische Stromnetze überfordern. Die Ethik von Besitzern von Autos mit diesen Antrieben würde privat organisierte Laderegeln fordern. Es wird gern behauptet, dass es schnelle Ladeverfahren gibt. Diese haben aktuell noch keine 20% aller Ladestationen erreicht. Bei diesen kann eine Batterie in etwa 20 Minuten zu 80% geladen werden. Die an Elektroladesäulen in Schlangen Wartenden sind wie alle Geschäftsleute geduldig… Das ist die Anwendung von Wirtschaftsethik. Für 100% Ladekapazität werden auch dort sechs Stunden benötigt. Bereits jetzt haben die meisten Verwaltungen von Mehrfamilienhäusern verboten Elektrofahrzeuge in Tiefgaragen zu laden. Das würde das Stromnetz der Wohnanlage in ihrer Gesamtheit gefährden.

Das Verständnis von Ethik erwartet, dass Batterien nur dann nachgeladen werden, wenn Dritte damit nicht eingeschränkt werden – unabhängig von der Möglichkeit des Zugriffs auf Kapazitäten. Allein diese Überlegungen stellen die Elektromobilität in dieser Form in Frage. Regenerative Energien ständen mit Wasserkraft und Geothermie zur Verfügung. Deren Kapazitäten reichen allerdings nicht aus.

Beurteilung von Vorkommnissen

Es ist definitiv keine Form der Ethik zu fordern, dass Erfinder das in der Zukunft lösen mögen. Solche Auffassungen sind nicht auf verschiedene Technologien beschränkt. Juristische Vorgaben aus Gesetzen sind auch dann zu beachten, wenn die Ethik Gestaltungen zulässt. Dies dürfen keine Unmöglichkeiten sein, die der Ethik untergeordnet werden. Das schließt aus, dass Großunternehmen Risiken eingehen, die Milliarden Euro kosten können. Damit werden ethische Risiken in der Folge zu ökonomischen Problemen.

Kritiker der Ökonomie sind aufgrund der moralisch definierten Gesetze oft unrealistisch und machen sich Illusionen über Kraft und Aufgaben der Ethik. Illusionen des „ehrbaren Kaufmanns“ werden verfolgt. Der Bezug auf die Vergangenheit hinkt meist. Früher waren Kaufleute und Technologen in ihrem Verhalten nicht „besser“, sondern anders. Sie wurden nicht so häufig negativ entdeckt.

„Diskretion“ ist in der globalisierten Wirtschaft zum Problem geworden. Offenheit und Transparenz hat Kungelei im Hinterzimmer ersetzt. Dabei kommt mit dem „ehrbaren Kaufmann“ mehr durch Integritäts- und Compliance-Maßnahmen oder Shared-Value-Denken aufgezeigtes Fehlverhalten „auf den Tisch“. Wenn Strukturen und Anreize in Unternehmen geändert werden, können „ehrbare Kaufleute“ bei ihrem Vorgehen und Handeln ethisch empfunden werden (vgl. Lütge, Ch. ; Wirtschaftsethik TU-München – FAZ 2018-05-15).

Dies untermauert die experimentelle Ökonomik. Menschen verhalten sich nicht altruistischer und sozialer. Tatsächlich erodieren die Normen, wenn sich ethisch Empfindende ausgebeutet oder über den Tisch gezogen fühlen. Ethische Empfindungen verlieren dann an Wirkung.

Armut und Vermögen

Die Sichtweise auf Gewinne und Ungleichheit ist in Deutschland fern der Wissenschaft: Armutsberichte zeichnen Bilder von wachsender Armut. Diese stellt den Kontrast zu reich werdenden bzw. gewordenen Unternehmern dar. Der Sozialstaat hat mit der Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung und Hartz IV Erfolgsmodelle geschaffen. Menschen werden aus der Arbeitslosigkeit geführt – ein Widerspruch?

Dennoch kennt Deutschland ungleiche Vermögensverteilung. Mit der zweithöchsten Steuer- und Abgabenquote aller Industrieländer sind die Bürger in Deutschland im Vergleich zum Staat arm und verfügen über weniger Vermögen als Bürger anderer Staaten. Deutsche misstrauen Aktien. Ethik definiert Handeln und Verhalten. Aktionäre bestimmen den Anteil der Bürger am Markt der Wirtschaft. Mit nur 20 Prozent Aktien als Vermögensanteil werden von deutschen Anlegern Verluste gefürchtet, Chancen und Gewinne mit dem Argument der Risiken gegen kooperatives Verhalten (= Ethik) gestellt (vgl. Lütge, ebda.)

Deutsche sollten sich von diesen Befürchtungen verabschieden. Die Mittelschicht sollte gefördert werden. Unternehmen sollten Ethik „auf ihre Fahnen“ schreiben. Anderes Verhalten sollte sich in Deutschland finanziell negativ auswirken. Verstöße gegen Gesetze sollten nicht nur in den USA mit Strafzahlungen geahndet werden. Auch deutsche Kunden sollten negative Ereignisse für sich mit Entschädigungen wirtschaftlich verbuchen können. Dies ist Vorgabe der Ethik.

Fazit

Regeln für Ethik brauchen nicht erst erfunden zu werden. Ohne sie kann keine Digitalisierung aktiv gestaltet werden. Big-Data-Analysen, künstliche Intelligenz oder autonome Fahrzeuge werden ohne qualifizierte Auslegungen der Ethik nicht akzeptiert werden. Ethik ist Teil der Philosophie und diese in der Anwendung gemeinsam mit Mathematik die Wissenschaft der Metaphysik. Die Wirtschaftsethik kann bei isolierter Betrachtung Schäden verursachen, wenn das Verständnis bei ihren Anwendern fehlt. Technologien dürfen nicht den Technikern überlassen werden, wenn sie nicht mit kompetenter Anwendung der Wirtschaftsethik beurteilt werden können. Isoliert sind Handlungen gesellschaftlich und ethisch zu reflektieren. Berechtigte Sorgen sind anzusprechen. Realistische Wirtschaftsethik heißt, dass die Möglichkeiten der Ethik für Unternehmen anzuerkennen sind. Gleichzeitig ist zu erkennen, dass die Ökonomie zur Wirtschaftsethik gehört.

 

2018-05-15

A-18-05.04

Wirtschaftsethik

Kommentar hinterlassen