Zuwanderung der Pflegefachkräfte nach Deutschland hinter grauen Daten

Deutschland wächst durch Zuwanderung ausgewählter Berufssparten wie Pflegefachkräfte. Es werden mehr und mehr Menschen nach Deutschland kommen ohne Migranten zu sein.

Wissen unsere Mitbürger, wie sie mit anderen Nationen stehen und in der S-Bahn sitzen? Die Mehrheit der Deutschen orientiert sich an den gelegentlich kolportierten Zahlen der in den letzten Jahren zugewanderten Migranten – meist aus dem Nahen Osten und den Staaten südlich der Sahara (= Sub-Sahara). Der Erfolg Mitteleuropas steht und fällt mit dem Einsatz von ausreichend Arbeitskräften. Bezogen auf Deutschland liegt dieser Druck auch wegen des Bedarfs der Pflegefachkräfte über dem Durchschnitt der EU-Länder.

In der politisch rechten Ausrichtung wird mangels Kenntnissen von Übervölkerung gesprochen. Die Gefahr von mehr Arbeitslosigkeit wird hervorgehoben. Da mag das Statistische Bundesamt immer wieder verbreiten, dass die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen wächst, die Zahl der nicht besetzten Arbeitsplätze aber auch! Gleichmäßigen Bevölkerungsnachwuchs kann Deutschland nach dem „Pillenknick“ Ende der 60er Jahre nicht aufweisen. Die davor liegenden hohen Geburtenraten haben viele Arbeitsplätze besetzen können. Nun gerät diese vor 1970 geborene Gruppe in die Zielrichtung des – meist – vorgezogenen Ruhestands und dem bevorzugten Bedarf für Pflegefachkräfte. Der Hinweis auf eine geringere Lebenserwartung bei früherer Inaktivität zieht selten.

Wege zur Besetzung von freien Arbeitsplätzen im Sozialbereich

Am größten ist der Notstand bei der Zielgruppe der Pflegefachkräfte. Diese fehlen in großer Breite. Das betrifft Krankenhäuser, Altenzentren und Unterstützungen in Privatwohnungen. Dagegen wollen aus der Regierung Prädestinierte etwas tun. Herr Seehofer und Herr Heil kündigen ein Einwanderungsgesetz an, das im Rahmen der „Konzertierten Aktion Pflege“ den Personalmangel lindern will. Es ist zwischenzeitlich unstreitig, dass der Arbeitsmarkt leergefegt ist und die Betreuung von alten oder kranken Menschen kein gutes Image hat. EU-Bürger lassen sich nicht in ausreichendem Maße anwerben. Daran ändert auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit in südlichen Ländern nichts.

Die Bundesregierung sieht in einer „Konzertierten Aktion“ zur stärkeren Öffnung für Pflegefachkräfte aus dem Ausland einen wichtigen Ansatz. Vorher war noch unklar, ob die Koalition aus CDU, CSU und SPD weiterregiert. Dennoch demonstrierten Innenminister Herr Seehofer (CSU) und Arbeitsminister Herr Heil (SPD) einen starken Willen zu gemeinsamer Sacharbeit: Sie wollen sich in Kürze über das geplante Gesetz für eine gezielte Fachkräftezuwanderung verständigen. Den politischen Antrieb liefert ihnen der Mangel der Pflegefachkräfte, dem die Regierung entgegentreten will.

Dabei wird primär an arbeitslose Bewohner des Balkans gedacht, die noch nicht Mitglieder der EU sind. Das betrifft primär Albanien und das Kosovo. Serbien, der nächste Bewerber für eine Mitgliedschaft in der EU, ist wirtschaftlich so stark, dass Arbeitskräfte der in Deutschland gesuchten Art dort ihr Auskommen finden. Das trifft auch für Montenegro zu.

Gesetzgebung zur Gewinnung von Arbeitskräften außerhalb der EU

In der Vorbereitung eines Fachkräfte-Zuwanderungsgesetzes ist die Regierung bei der Zuwanderung schon weit vorangeschritten (vgl. Seehofer, H.; Bundesminister des Inneren). Dazu erfolgt Abstimmung mit dem Arbeitsminister, Herrn Heil sowie dem Wirtschaftsminister, Herrn Altmaier. Fast zur gleichen Zeit startete Herr Heil gemeinsam mit dem Gesundheitsminister, Herrn Spahn und der Familienministerin, Frau Giffey, die „Konzertierte Aktion Pflege“, die den umstrittenen „Pflegenotstand“ abstellen soll.

Da laut Bundesagentur für Arbeit den jeweils 100 freien Stellen für Fachkräfte in der Altenpflege nur 28 Arbeitslose mit geeigneter Qualifikation gegenüberstehen, sehen die drei Minister in einer stärkeren Öffnung für Pflegefachkräfte aus dem Ausland einen qualifizierten Ansatz. Herr Heil führt als Verantwortlicher für Fachkräftesicherung Gespräche mit seinen Kabinettskollegen, den Herren Seehofer und Altmaier. In der Folge wurde in der Bundespressekonferenz dokumentiert, dass die Bundesministerien gemeinsam ein Projekt zur Stärkung der Pflege gestartet haben.

Der Arbeitsminister hatte seine Idee präsentiert, nach der Pflegekräfte aus Nicht-EU-Ländern für bis zu sechs Monate nach Deutschland kommen sollten. Während dieser Zeit könnten geeignete Stellen besetzt und die behördliche Anerkennung ihrer Berufszeugnisse betrieben werden. Bisher müssen Arbeitskräfte, die keine hochqualifizierten Spezialisten sind, einen konkreten Arbeitsvertrag in Aussicht haben, um ein Aufenthaltsrecht zu bekommen. Das erforderliche Verfahren zur Anerkennung von Berufsqualifikationen als Pflegekräfte verläuft Herrn Heil zufolge oft schwerfällig, wenn es aus dem Ausland betrieben werden muss. Ausländische Akademiker können schon ein sechsmonatiges Aufenthaltsrecht zum Zweck der Arbeitssuche erhalten. Im Jahr 2016 wählten laut Bundesregierung etwa 2000 Menschen diesen Weg.

Die zwei Minister und eine Ministerin sollen mit Hilfe Dutzender Interessenvertreter in fünf Arbeitsgruppen ein Gesamtkonzept erarbeiten, das die stärkere Öffnung für ausländische Fachkräfte als ergänzenden Baustein einsetzt. Ebenso wichtig sei es, dass, der Pflegeberuf attraktiver wird. „Es muss cool werden, Pflegekraft zu sein“ (Giffey, F.). Mit besserem Ressourceneinsatz sollte dieses Ziel erreicht werden (Spahn, J.). Bei näherem Hinsehen sind in der Altenpflege nur höher qualifizierte Fachkräfte knapp – an Pflegehelfern mangelt es hingegen kaum. Zu den Plänen der Regierung gehören Tarifverträge mit höheren Löhnen, die sie mit Hilfe von Gewerkschafts- und Arbeitgebervertretern erreichen will. Zunächst soll der konkrete Bedarf dokumentiert werden. Im Anschluss sollen die Zusatzkosten für Pflegebedürftige analysiert werden können.

Es ist unumgänglich, dass aus wirtschaftlich schwächeren Ländern Menschen gesucht werden, die bereit sind Dienstleistungen zu erbringen, an denen einheimische oder sogar EU-Bürger in ihrer Gesamtheit keine Interessen mehr zeigen. Deutschland wird in den nächsten Jahren mehr als 85 Millionen Bürger haben. Nur damit lässt sich unser bisheriger Erfolg bewahren.

Fazit

In der Konsequenz wird der Anteil der in Deutschland lebenden Menschen aus dem Ausland weiter wachsen. Ohne Sicherstellung dieses Weges würden sowohl die deutsche Wirtschaft als auch die soziale Betreuung nicht mehr mit ausreichend Arbeitskräften abgedeckt werden können. Langfristig werden dazu auch Migranten benötigt, die aus dem Nahen Osten zuwandern werden. Die Zahl der Kulturen, die sich in Deutschland weiterbilden werden, wird sich vergrößern. Die Kommunikation mit und das Lernen von Menschen aus der zweiten Welt wird den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands in den nächsten Jahrzehnten bestimmen. Dabei wird bemerkenswert sein, dass dazu bei den Ärmsten mit persönlichen Kontakten wie der Pflege begonnen wird.

 

2018-07-03

A-17.07-3        Pflegefachkräfte

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